Das Kulturerbe der Schwarzen Kirche


Die Schwarze Kirche – das Wahrzeichen Kronstadts

Unser Kulturerbe ist für uns, die Stadt und die Besucher aus aller Welt eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Es umfasst Baudenkmäler, Bibliotheken, Archive, Literatur, Musik, Traditionen und Bräuche. Beeindruckende Gemälde und Skulpturen, osmanische Textilien, bunte Gestühle und wunderbare Orgeln warten in der Stille darauf, entdeckt zu werden.

Die Schwarze Kirche ist das Wahrzeichen unserer Gemeinde, aber auch das der gesamten Stadt. Zu unserer Gemeinde gehören aber auch andere Kulturdenkmäler von nationalem oder internationalem Rang, entstanden in der Zeitspanne zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert: Die Gebäude rund um die Schwarze Kirche, etwa die Bauten des Johannes-Honterus-Nationalkollegs, dann das Gebäude, das die berühmte, von Johannes Honterus im 16. Jahrhundert gegründete Gymnasialbibliothek beherbergt hat, das aus dem 14. Jahrhundert stammende Pfarrhaus, aber auch das Haus Marktplatz 16, das mit wunderbaren Wandbildern aus dem 17. und 18. Jahrhundert geschmückt ist. Die Gemeinde besitzt außerdem eine mittelalterliche und zwei barocke Kirchen, alle auf Stadtgebiet befindlich, von historischen Friedhöfen gesäumt und seitens des rumänischen Kulturministeriums als Baudenkmäler der prestigeträchtigen Kategorie A eingestuft.

Reinigung einer der einen Stützpfeiler bekrönenden Fialen der Schwarzen Kirche. Foto: Frank-Thomas Ziegler, 2018

Zu diesen Bauten gesellen sich kirchliche Objekte, die von den Vorfahren gestiftet wurden, um die Kirchen auszustatten und zu schmücken, um ihre Frömmigkeit, aber auch ihren Status innerhalb der städtischen Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Unter diesen befinden sich etwa die berühmte Sammlung osmanischer Teppiche, eine der bedeutendsten in Europa, dann die Sammlung historischer Messgewänder oder eine Porträtgalerie gewesener Geistlicher der Kirche, aber auch das kunstvoll gestaltete Abendmahlsgerät zählt dazu.

Osmanische Teppiche, präsentiert in der Schwarzen Kirche. Foto: Árpád Udvardi, 2005

Die Gemeinde verwaltet und umhegt auch eine Bibliothek und ein wertvolles Archiv, dessen Anfänge sich bis ins Mittelalter, beziehungsweise bis hin zu der Gründung der Gymnasialbibliothek durch Johannes Honterus erstrecken. Hier wie auch im Musikarchiv der Gemeinde werden mit Fleiß und äußerster Sorgfalt nicht nur außerordentliche Drucke und Handschriften, sondern auch Traditionen, Kenntnisse und andere geistige Werte bewahrt.

Ablassbrief, ausgestellt durch Papst Sixtus IV zugunsten der Errichtung der Schwarzen Kirche (1475). Archiv und Bibliothek der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt. Foto: Árpád Udvardi

Die Erhaltungsmaßnahmen, die wir durchführen, haben das Ziel, die zerbrechliche Schönheit, aber auch die Authentizität der Kulturdenkmäler und Kunstwerke zu erhalten. Es soll so viel wie möglich von ihrer Ausdruckskraft, die von den sichtbar belassenen, natürlichen Herstellungsmaterialien und den originalen Details herrührt, bewahrt werden. Die Tradition unserer Vorfahren achtend, prüfen wir nachdrücklich aktuelle Tendenzen, wählen mit Sorgfalt innovative Methoden aus und behalten die fromme Haltung, die unsere Vorgänger gegenüber diesen Gegenständen an den Tag zu legen pflegten, bei der Durchführung aller konservatorisch notwendigen Interventionen bei.

Bei allen sechs großen Restaurierungskampagnen, die die Gemeinde im Laufe beinahe des gesamten 20. Jahrhunderts durchführte – von 1912 bis 1999 –, suchte sie mit den besten Fachleuten im Bereich der Denkmalpflege aus ganz Europa zusammen zu arbeiten.

Unter erheblichen finanziellen Opfern wurden große Herausforderungen bewältigt: der schnelle Verfall der aus weichem Sandstein gefertigten Fassaden etwa, die Ableitung des Regenwassers, die Belüftung der Fundamente oder die Beheizung des Innenraums.

Die Schwarze Kirche während einer Restaurierungskampagne in den 1930er Jahren. Archiv und Bibliothek der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt. Archivfoto, Fotograf unbekannt.

In den siebziger Jahren wurden in Kronstadt zwei Restaurierungswerkstätten ins Leben gerufen: eine Werkstatt für Altäre und die andere für Textilien. Hunderte von Kulturgütern aus ganz Siebenbürgen wurden hier gerettet und erhielten ihren alten Glanz zurück.

Era Nussbächer, die Leiterin der Textilrestaurierungswerkstatt, während der Arbeit an einem osmanischen Teppich. Foto: Waldemar Stadler, 1999

Bei der Restaurierung von Immobilien orientieren wir uns an dem Prinzip der funktionalen, zeitgemäßen Ergänzung der Originalsubstanz. Wir befreien die bauliche Struktur und die historischen Elemente der Häuser und lassen sie sichtbar werden; etwa Dachstühle, Gewölbe, originale Treppenläufe, Wandbilder, alte Bodenbeläge und Türen, die wiederhergestellt werden, um ihre ursprüngliche Schönheit zu beleben. Zu diesen fügen wir Elemente und Möbelstücke aus elementaren Materialien wie Holz, Stein, Metall, Glas, denen eine schlichte Modernität eigen ist, die sich wiederum genügend von den originalen Elementen abhebt und dennoch mit ihnen harmoniert.

Schlicht und authentisch: das neue Café CH9 im Johannes Honterus-Hof, untergebracht in einem Haus aus der Zeit um 1800. Foto: Béla Benedek, 2020

Hinsichtlich der mobilen Kulturgüter verfolgen wir eine andere Strategie: Da sie keinen praktischen Nutzen mehr besitzen, bemühen wir uns darum, sie in der Gestalt zu erhalten, in der wir sie empfangen haben. Wir greifen erst dann ein, wenn es gilt, Verfallsprozesse zu unterbinden. Wir streben danach, das Objekt komplett zu erhalten, mitsamt der bereits daran vorgenommenen Veränderungen, und möglicherweise auch die Schäden, die es im Laufe der Zeit erlitten hat, sichtbar zu belassen. Denn wir sind überzeugt, dass jede der den Objekten zugefügten Veränderungen ein Zeugnis der spezifischen Geschichte des Objektes und – besonders wichtig – der Denkweise und der Glaubensvorstellungen jener Menschen, die es benutzten, ist. Die Wachs- und Tintenflecken oder die Abreibungen am Flor verraten uns heute beispielsweise, wie ein osmanischer Teppich in der Vergangenheit benutzt wurde. Ein gotischer Kelch, der einen barocken Fuß besitzt oder auch die Fäden, mit denen ein Messgewand zusammengenäht wurde, sind wertvolle Zeugnisse aus jenen Zeiten, in denen diese Gegenstände häufig benutzt wurden, aber auch Belege für die Art und Weise, wie sie gehandhabt wurden. Deshalb bemühen wir uns darum, sie in ihrer Gesamtheit zu erhalten.

Liturgisches Gewand, zusammengesetzt aus einem Dorsalkreuz des 16. Jahrhunderts und einem Seidenstoff des 18. Jahrhunderts, mit zahlreichen Nutzungsspuren und nachträglichen Reparaturen. Sammlung der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt. Foto: Árpád Udvardi, 2011

Die wertvolle Sammlung liturgischer Gewänder ist unter erhöhten Sicherheitsbedingungen untergebracht. Die Objekte können betrachtet werden, ohne bewegt werden zu müssen. Foto: Frank-Thomas Ziegler, 2019

Ein wesentlicher Teil unserer denkmalpflegerischen Tätigkeit ist der nicht-invasiven Konservierung der wertvollen Sammlungen gewidmet, etwa dadurch, dass wir für sichere Bedingungen bei der Lagerung und der Handhabung sorgen. Entsprechende Maßnahmen wurden bereits für das historische Archiv und die Bibliothek, für die Bestände der Teppiche und der Gemälde getroffen.

Bei dieser begeisternden und spannenden Beschäftigung, die die Denkmalpflege bietet, unterstützen uns Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen und aus einer Vielzahl von Ländern. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit den Vertretern des traditionellen Handwerks in Kronstadt und dessen Umland, den Bewahrern einiger althergebrachter Fertigkeiten, die oftmals die richtige Herangehensweise gegenüber den alten Häusern und ihren dekorativen und funktionalen Details darstellen. Wir arbeiten mit Schmieden, Maurern, Zimmerleuten, Blechschmieden, Steinmetzen, Ziegelmachern zusammen, die nicht nur traditionelle Kenntnisse der Materialbearbeitung anwenden, sondern die sich auch die Leidenschaft für handwerkliche Qualitätsarbeit bewahrt haben.

Johannes Bertleff, ein junger, erfolgreicher Architekt aus Kronstadt und Mitglied unserer Gemeinde, hat die Wünsche der Gemeinde hinsichtlich der Restaurierungseingriffe an historischer Substanz einfühlsam nachvollzogen und den wiederhergestellten Häusern dadurch eine außergewöhnliche Eleganz verliehen, in dem er Altes und Neues erfolgreich kombinierte. Die Orgelwerkstatt in Honigberg stand uns bei mehreren Orgelrestaurierungsprojekten bei, übernimmt aber auch die periodische Reinigung und das Stimmen der Instrumente und stellt auf Anfrage auch Spezialmobiliar für die Lagerung von Kulturgütern oder Flügel und Rahmen für Türen und Fenster her. Die Arbeitsprinzipien dieser Werkstatt, die Qualität und Aufmerksamkeit für Details mit der Leidenschaft zur Musik vereint, haben uns zu wiederholten Malen überzeugt.

Der Spieltisch der Hahnbacher Orgel wird nach erfolgter Restaurierung auf die Empore der Schwarzen Kirche gehoben. Foto: Steffen Schlandt, 2013

Außer zu diesen beiden lokalen Akteuren unterhalten wir auch enge Beziehungen zu Holz- und Möbelrestauratoren, Gemälde-, Stein- und Textilrestauratoren aus dem In- und Ausland, vor allem zu solchen, die mit Museen in Deutschland, Ungarn, Österreich und der Schweiz in Verbindung stehen – oftmals Institutionen, die ein ähnliches Kulturerbe bewahren wie das der Schwarzen Kirche eines ist.

Eine Textilrestauratorin bereitet ein Messgewand des 16. Jahrhunderts für eine Fotokampagne vor. Foto: Frank-Thomas Ziegler, 2011

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