Konservierungs- und Restaurierungsprojekte im Bereich von Denkmalgütern


DAS HAUS MARKTPLATZ NR. 17 (2006–2010)

Die Immobilie beherbergte früher eine Vielzahl von Wohnungen und Büroräumen. Seit der Wiederherstellung dient sie als Sitz der Gemeindeverwaltung. Das Restaurierungsprojekt, das die jahrhundertealte Originalsubstanz erfolgreich mit modernen Elementen kombiniert, wurde von Architekt Johannes Bertleff erarbeitet und von der Architekturbiennale des Rumänischen Architektenordens 2010 prämiert. Die Kosten in Höhe von 300.000 Euro bestritt die Gemeinde aus Eigenmitteln.

Der Sitzungsraum des Pfarramtes im Haus Marktplatz 17. Foto: Andrei Mărgulescu

DAS SELBSTBILDNIS HANS EDERS (2007)

Einige Jahrzehnt lang war das Selbstbildnis des Kronstädter Künstlers Hans Eder verschollen. Der Maler hat sich darauf im Augenblick des Schaffensaktes eingefangen. Bei seiner Wiederauffindung wies das kleinformatige Werk ernsthafte Beschädigungen auf; die Leinwand war gelockert und in der Malschicht klafften Fehlstellen. Die Gemeinde ließ das Gemälde durch die Gemälderestauratorin Zsuzsanna Mara aus Szeklerburg (Miercurea Ciuc) wiederherstellen und bestritt die Kosten aus eigenen Mitteln

proiecte-conservare2

Hans Eder: Selbstbildnis, 1913. Sammlung der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt. Foto: Ágnes Ziegler

DIE EVANGELISCHE KIRCHE AUF DEM MARTINSBERG (2007-2013)

Ein geeignetes Beispiel für „good practice“ im Bereich der Baudenkmalpflege stellt die kleine, teils mittelalterliche Kirche auf dem Martinsberg dar. Den Wiederherstellungsarbeiten gingen umfassende Untersuchungen an der Bausubstanz einschließlich des Wandputzes voraus, aber auch archäologische Ausgrabungen wurden durchgeführt, die Farbfassung von Holzelementen wurde gesichert, u.v.m.

Die evangelische Kirche auf dem Martinsberg nach der Restaurierung. Foto: Ágnes Ziegler, 2019

DIE ORGEL AUS BODENDORF (2010)

Die Orgel war ursprünglich in der Bodendorfer evangelischen Kirche oberhalb des Altars angebracht. Da Einsturzgefahr bestand, wurde die Entscheidung getroffen, das Instrument zu retten. Es wurde nach Kronstadt überführt und in der Orgelbauwerkstatt in Honigberg restauriert. Die Wiederherstellung der Orgel wurde von der Stiftung Horizon aus Deutschland finanziell unterstützt. Heute befindet sich das Instrument in der evangelischen Kirche auf dem Martinsberg in Kronstadt.

Die Orgel der evangelischen Kirche A.B. Bonnesdorf wurde nach ihrer Restaurierung in die Martinsberger Kirche gebracht. Foto: Steffen Schlandt, 2013

KELCH EINER GEMEINDE AUS DER NÄHE KRONSTADTS

Nachdem der gotische Messkelch in seine Einzelteile zerlegt worden war, war er unbrauchbar geworden, und den Eigentümern war es nicht gelungen, ihn vollständig wiederherzustellen. Nachträgliche Eingriffe, die sich ungeeigneter Materialien bedient hatten, hatten den Zustand des wertvollen Objekts weiter beeinträchtigt. Dank des besonderen Entgegenkommens des Ungarischen Nationalmuseums in Budapest konnte der Kelch in dessen Restaurierungsateliers wiederhergestellt werden.

013_Potir

Gotischer Messkelch, 15. Jahrhundert, nach erfolgter Restaurierung. Foto: Gábor Szőke, 2010

ZWEI FRAGMENTE EINES OSMANISCHEN TEPPICHS (2011)

Ein Teppich, der in Gestalt zweier Fragmente überliefert war, wurde in den Restaurierungsateliers des Museums für Islamische Kunst in Berlin restauriert. Die Maßnahme wurde getroffen, nachdem die Kronstädter Gemeinde einige Teppiche aus ihrer Sammlung als Leihgaben für eine Ausstellung in dem Museum zur Verfügung gestellt hatte. Die beiden Fragmente wurden auf einen Trägerstoff aufgebracht, so dass sie gefestigt und gegen weiteren Verfall geschützt, die vorhandenen Schäden und Fehlstellen aber sichtbar geblieben sind.

patrimoniu010

Siebenbürger Teppich mit Doppelnische, nach der Restaurierung. Sammlung der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt. Foto: Árpád Udvardi

DIE REPSER ORGEL (2012)

Diese besonders wertvolle Orgel stammt aus der evangelischen Kirche A.B. in Reps. Sie gilt als ältestes, heute noch spielbares Instrument Siebenbürgens. Bereits seit mehreren Jahren unbenutzt, wurde sie an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort, einer hölzernen Empore in der restaurierungsbedürftigen Kirche, abgebaut. Im Jahre 2012 eröffnete die Stiftung ForumARTE eine Kampagne zur Sammlung von Spenden für die Restaurierung der Orgel. Herr Christian von Albrichsfeld kündigte an, die Summe der gesammelten Spenden durch einen Beitrag zu verdoppeln. Die Evangelische Kirche A.B. Reps und die Evangelische Kirche A.B. Kronstadt beteiligten sich beide mit erheblichen Eigenbeträgen, so dass die Orgel restauriert und in der Schwarze Kirche aufgebaut werden konnte. Für die Durchführung der Restaurierung zeichnet die Orgelwerkstatt in Honigberg verantwortlich. Auf diese Weise wurde ein Musikinstrument gerettet, dessen Wert auch international anerkannt ist.

013-Orga-Rupea

Die Repser Orgel, geschaffen im 17. und 18. Jahrhundert. Foto: Árpád Udvardi

HAUS MARKTPLATZ NR. 16 (Teilrestaurierung 2012)

Eines der bedeutendsten Häuser in Kronstadt befindet sich an der Nahtstelle zwischen dem Marktplatz und dem Hof der Schwarzen Kirche. Die Wiederherstellung der Immobilie ist ein Unternehmen von erheblichem Ausmaß und noch nicht zu Ende geführt. Im Jahre 2012 wurde das Erdgeschoß des Hauses unter Aufwendung von Gemeindemitteln fertiggestellt. Die Räume sind mit zahlreichen Wandbildern geschmückt, verfügen über historische Steinmetzarbeiten und bieten einer wahren Literatur-Oase ein Zuhause: einer Humanitas-Buchhandlung.

Wandmalerei in den Räumen der Humanitas-Buchhandlung im Patrizierhaus Marktplatz 16, nach der Restaurierung. Foto: Andrei Mărgulescu, 2012

DIE HAHNBACHER ORGEL (2013)

Die Orgel der evangelischen Kirche A.B. in Hahnbach (Kreis Hermannstadt) ist aus der verwaisten Kirche im Jahr 2006, als sie bereits nicht mehr spielbar war, ausgebaut worden. Die Orgel war vorher vandalisiert worden; über die Hälfte der Pfeifen waren gestohlen. Im Jahr 2013 restaurierte die Orgelwerkstatt in Honigberg das Instrument. Die Kosten konnten dank einer großzügigen Spende von Ludovic Ionescu und aus Eigenmitteln der Gemeinde bestritten werden. Dem Instrument wurden im Jahre 2013 weitere Pedalregister hinzugefügt und 2020 wurde die fehlende Stimme Vox humana neu gebaut. Die Orgel ist jetzt in allerbestem Zustand und ein hervorragendes Beispiel der siebenbürgischen Orgelbaukunst.

Die Hahnbacher Orgel wird auf der Empore der Schwarzen Kirche montiert. Foto: Steffen Schlandt, 2013

DER DACHSTUHL DER SCHWARZEN KIRCHE (2015- )

Im Laufe der Zeit haben Holzelemente des historischen, aus dem 17. Jahrhundert stammenden Dachstuhls Schaden durch eindringendes Wasser erlitten. An der Dachhaut war zum letzten Mal 1970 gearbeitet worden und viele Dachziegel waren zwischenzeitlich gebrochen. Es war unumgänglich, die Eingriffe an Dachstuhl und Dachhaut aufeinander abzustimmen. Das zentrale Ziel war es von Beginn an, möglichst keine übermäßigen Restaurierungen vorzunehmen, sondern sich auf jene minimalen konservatorischen Eingriffe an der Originalsubstanz zu beschränken, die für die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Daches notwendig sind. Folglich werden zu ersetzende, schadhaft gewordene Holzelemente unter Einsatz derselben traditionellen Techniken in die bestehende Struktur eingepasst, die auch in der Vergangenheit benutzt wurden. Die Ziegel wurden im Auftrag der Gemeinde in Handarbeit hergestellt. Die Blechschmiede verwenden klassisches Material (Kupfer) und die spezifischen Lösungen und Formungen für die Blechelemente wurden aus funktionaler Sicht geringfügig verbessert. Besonders in der Berührungszone von Dachstuhl, Fialen und kleinen Türmchen waren die Eingriffe aufwendig, da unterschiedliche Fachleute (Zimmermänner, Blechschmiede, Steinrestauratoren) gemeinsam Lösungen erarbeiten mussten. Die Dauer der Wiederherstellungsarbeiten wird auf 8 Jahre geschätzt. Die Investitionssumme von etwa 800.000 Euro wird aus Mitteln der Gemeinde bestritten.

Zimmermannsarbeiten an der Schwarzen Kirche. Foto: Radu Pescaru, 2017

DAS HAUS JOHANNES HONTERUS-HOF NR. 9 (2017-2018)

Bei der jüngsten Intervention an dem schlichten Haus gegenüber des Haupteingangs der Schwarzen Kirche wurde darauf geachtet, dass die fragile Schönheit dieses Gebäudes nicht zerstört würde. Vielmehr sollte seine Expressivität, die von den sichtbar belassenen, natürlichen Materialien und den schlichten Details lebt, erhalten bleiben. Das Fehlen dekorativer Elemente wird durch die Schönheit der sichtbar belassenen Materialien, der Balkendecken und Holzkassetten etwa, mehr als aufgewogen. Um die ursprüngliche Stimmung des Dachbodens, in dessen Innerem die Ziegeldecke frei sichtbar war, nicht zu verlieren, wurde beschlossen, über die alte Dachhaut eine zweite zu legen, durch die die Ziegeloberfläche verdoppelt wurde (Eine Ziegeldecke außen und eine innen). Alle neuen Elemente – die Stiege aus Metall und die Trennungswände aus Stahlplatten – entfalten ihre ästhetische Wirkung dank ihrer materiellen Beschaffenheit und kontrastieren mit der historischen Substanz. Seitens der Gemeinde bestand der Wunsch, dass der bauliche Eingriff so geringfügige Änderungen wie möglich an der erhaltenen Struktur vornehme und die intime Atmosphäre der Räumlichkeiten bewahrt bleibe. Das einzige Element, das sich diesen Anforderungen in singulärer Weise entzieht und die Wandlung des Hauses in ein öffentlich genutztes Gebäude anzeigt, ist die Theke. Sie durchquert zwei Räume und ist das einzige Möbelstück, das sich durch dekorative Elemente auszeichnet. Die Investition wurde aus Eigenmitteln der Gemeinde bestritten und beträgt 138.000 Euro.

ch9-20

Die Tische des Cafés sind unmittelbar unter der Dachhaut mit doppelter Ziegeldecke arrangiert. Foto: Béla Benedek, 2020

Die Stützpfeilerstatuen der Schwarzen Kirche

Die Kopien der gotischen Statuen, die heute auf die Stützpfeiler des Chores schmücken, begannen Anfang des 21. Jahrhunderts zunehmend schadhaft zu werden. Einsickerndes Wasser und die wiederholten Zyklen des Einfrierens und Auftauens ließen Risse im Stein entstehen. Auch unter der mechanischen Beanspruchung durch Vögel lösten sich allmählich Fragmente von den Statuen. Die Restaurierung begann 2018 in Zusammenarbeit mit dem Steinrestaurator Călin Bârzu. Die Gemeinde finanziert die Maßnahmen aus eigenen Mitteln, unterstützt durch den Kreisrat Kronstadt.

Die Kopien der gotischen Statuen. Foto: Anca Milea, 2020

DAS HAUS JOHANNES HONTERUS-HOF NR. 8 (2019-2020)

Der ehemalige Hörsaal des evangelischen Gymnasiums, der vermutlich gleichzeitig Aufbewahrungsort von Teilen der von Johannes Honterus gegründeten Schulbibliothek gewesen ist, war bis vor kurzer Zeit als Wohnung umfunktioniert. Kürzlich wurde er umgestaltet, um sich allen Menschen zu öffnen, und nun beherbergt er unser bezauberndes Gift Studio. Bei der Restaurierung kam unter anderem eine beinahe hundert Quadratmeter große Balkendecke zum Vorschein, die aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt. Die Investition in Höhe von 280.000 Euro wurde aus Eigenmitteln der Gemeinde bestritten.

proiecte-conservare10

Blick in zwei der fünf Räume des Gift Studio am Johannes Honterus-Hof Nr. 8. Foto: Béla Benedek

proiecte-conservare11

Die Balkendecke des Erdgeschoßes im Haus Johannes Honterus-Hof Nr. 8 stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 18. Jahrhundert mit dekorativer Malerei versehen. Foto: Ágnes Ziegler, 2019